Glaspalast

Schon seit ein paar Jahren gibt es die neue Verwaltungszentrale der Lufthansa in Frankfurt am Flughafen – das sogenannte LAC: Lufthansa Aviation Center! Noch nie hatte ich Zeit, mir das Gebäude in Ruhe anzuschauen. Heute hatte ich ein CRM-Seminar – Crew Resource Management (darüber habe ich schon einmal berichtet!), eine Schulung zu den Themen Stress-Management, Konfliktbewältigung, Bedrohungsabwendung usw. …. So kamen die Kollegen auf die Idee, das Mittagessen im Glaspalast einzunehmen. Eine günstige Gelegenheit, ein paar Fotos von diesem umwerfenden Haus zu machen. Sicherlich tatsächlich das schönste Bürogebäude Deutschlands.

Wintereinbruch

Es ist November und wie jedes Jahr ganz klar: man kann um diese Jahreszeit auf keinen Fall mit Schnee rechnen! Wie auch, es ist ja erst November, gut ok… fast Dezember…

Also: wir wollen nach Sao Paulo, dem winterlichen Wetter Deutschlands entfliehen! 31 Grad nennen uns die Meteorologen als Zieltemperatur, nicht schlecht… aber noch bangen wir, ob wir überhaupt los kommen.

Das Gerücht geht um, in Frankfurt sei die Enteisungsflüssigkeit ausgegangen! Unglaublich, aber zum Glück für uns stellt sich heraus, dass aufgrund des starken Schneefalles, der auch noch scheinbar recht „pappig“ ist, die Enteisung der Flugzeuge extrem lange dauert und somit die Kurzstreckenflücke komplett gestrichen werden und nur noch die Langstreckenflüge bedient werden. Ein PLUS für uns, aber wir bangen immer noch! Normalerweise dauert das Enteisen eines Flugzeugs ca. 20 Minuten.

Zwei Auslegerfahrzeuge mit einer Spritzdüse fahren rechts und links des Flugzeugs entlang und sprühen mit hohem Druck eine glycol-haltige Flüssigkeit auf die Tragflächen,  Höhen- und Seitenleitwerk und auch den Flugzeugrumpf, der ja durch seine Form mit bis 20% zum Auftrieb beiträgt. Schnee und Eis würden die aerodynamischen Eigenschaften neben hohem Gewicht derart verschlechtern, dass FLIEGEN unmöglich wird.

31 solcher Fahrzeuge sind in Frankfurt im Einsatz. Nur benötigen sie heute je Flugzeug 1 bis 2 Stunden. Wir bekommen zunächst eine Wartezeit von knappen zwei Stunden aufgebrummt, die sich auf über vier Stunden erhöht. Woran liegt es? Die „Enteiser“ behaupten, der Schnee sei zu fest – wir behaupten, es fehlte ein wenig an fachlicher Kompetenz. Eine Mischung wird es gewesen sein.

Nun hat man in solchen Fällen auch noch ein ganz anderes Problem: DIE DIENSTZEIT!

Normalerweise dürfen wir als verstärkte Crew (auf Langstrecken meistens der Fall) bis zu 18 Stunden arbeiten. Es war in unserem Fall abzusehen, dass wir damit nicht hin kommen. Also gibt es den sogenannten KOMMANDANTEN-ENTSCHEID.

Der Kapitän macht sich ein Bild von der Verfassung seiner Crew, indem er jedes einzelne Crew-Mitglied befragt, ob es sich in der Lage sähe auch über die 18 Stunden hinaus zu arbeiten. Dann entscheidet er, ob oder ob wir nicht verlängern können. Dies hießt dann, die Cockpit-Crew darf bis zu 21 Stunden arbeiten, die Kabine sogar bis zu 22 Stunden.

( Dieses Kapitel der Luftfahrt ist weitaus komplizierter als hier dargestellt, aber ich habe versucht es einfach zu erklären – also falls Profis hier noch genauere Informationen als Kommentar schreiben wollen, nur zu!!!)

Wir landen nach 19 Stunden und 22 Minuten Dienstzeit in Sao Paulo – die meisten aus der Crew sind jetzt „echt fertig“, alle haben sich ihren Feierabend verdient.

Ja, auch das ist die Fliegerei!