Lufthansa-Special: Der neue Jumbo

Piloten nennen sie die Königin der Lüfte, Passagiere kennen sie als Jumbo-Jet: die Boeing 747, eines der erfolgreichsten Langstreckenflugzeuge der Welt. Im Jahre 2005 verließ die letzte 747-400 die Werkshallen in Everett bei Boeing. Aber die Legende wird weiterleben, als Weiterentwicklung mit der Bezeichnung Boeing 747-8 International. Zu diesem Entschluss kamen Boeing-Manager. Und die Deutsche Lufthansa hat entscheidenden Anteil daran. Der neue Jumbo wird zunächst als Frachtversion gebaut und später auch als Passagiermaschine ausgeliefert. Lufthansa wirkte am Design dieses neuen Flugzeugs maßgeblich mit.
Lufthansa Boeing 747-8 Artwork


Als erste Fluggesellschaft weltweit hat Lufthansa bereits eine Bestellung für die 747-8 I-Passagierversion abgegeben. Im Dezember 2006 orderte die Airline 20 neue Jumbo-Jets und sicherte sich 20 weitere Optionen der „Strich Acht“.

Joe Sutter, den sie den Vater des Ur-Jumbo-Jets nennen, ließ es sich nicht nehmen, bei der Vertragsunterzeichnung von Lufthansa und Boeing dabei zu sein. Der heute 85-jährige Boeing-Ingenieur konnte seinen berechtigten Stolz kaum verbergen. Für ihn bedeutete die Entscheidung für die neue Boeing 747 mit der Zusatzbezeichnung „Strich 8“ so etwas wie das „ewige Leben“ des unter seiner Leitung entwickelten Flugzeugs.

Doch Emotionen spielten für die Entscheidung, die Boeing 747 in einer dritten Generation weiterleben zu lassen, eine untergeordnete Rolle. Dennoch, das ist allgemein anerkannte Meinung in der Luftfahrtindustrie, erfordern Entscheidungen über neue Flugzeuge von Herstellern und Fluggesellschaften immer verlässlichen Weitblick.

Bei Lufthansa werden Für und Wider eines neuen Flugzeugs schon weit im Vorfeld abgewogen. „Wir investieren in Forschung und neueste Technologie und treiben Innovationen voran. Die beschlossene Flottenmodernisierung ist die größte Investition in neue Flugzeuge in unserer Firmengeschichte und bringt uns auf dem Weg zum 3-Liter-Flugzeug ein gutes Stück voran. Wir schaffen dadurch eine Entkopplung von Transportmenge und Emission“, sagt Wolfgang Mayrhuber, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Lufthansa AG.

Ob bei Boeing oder Airbus, in vielen Flugzeugen der beiden Hersteller steckt auch viel Know-how von Lufthansa. Das Wissen und die Erfahrungen aus Flugbetrieb, Kundenwünschen und technischer Innovation der Airline werden von den großen Flugzeugherstellern sehr geschätzt. Die Abteilungen des Flotten-Managements arbeiten mit den Produzenten eng zusammen und helfen so mit, die Flugzeuge der Zukunft zu entwickeln.

„So war dies auch, als bei uns die ersten Überlegungen für die Boeing 747 ‚Strich Acht‘ angestellt wurden“, erklärt Dr. Karl Echtermeyer, der in der Abteilung Konzernflottenstrategie und Flugzeugbewertung für das Projekt der 747-8-Entwicklung zuständig ist. „Aber entscheidend bei uns ist, dass wir als Team agieren“, fügt er hinzu. „Auch die Idee für die Boeing 747-8 ist nicht die eines einzelnen, sondern sie ist hier im Team entstanden und entwickelt worden“, sagt Karl Echtermeyer. Die Frauen und Männer in seiner Abteilung und ihr Chef Nico Buchholz verstehen ihr Geschäft von der Pike auf. Lufthansa baut dabei auf die Erfahrung ihrer Mitarbeiter im Team, zu dem Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und passionierte „Flieger“ gehören. Zu visionären Ideen der Lufthansa-Mitarbeiter gehört auch eine möglichst große „Vielseitigkeit“ im Inneren des Flugzeugrumpfes. Gewöhnlich denken Planer nur an die Standards der heutigen Passagier-Klassen. Doch wie sehen die Klassen von übermorgen aus? Deshalb steht ein vielseitiger Innenraum ganz oben auf der Lufthansa-Wunschliste. Denn die Innenausstattung wird im „Leben eines Flugzeugs“ rund zweimal ausgewechselt.

„Mit den Technikern und Verantwortlichen der großen internationalen Flugzeughersteller verhandeln wir auf Augenhöhe, jeder versteht sein Gegenüber und akzeptiert die Argumente des Anderen“, sagt Echtermeyer. Die Lufthansa-Experten entwickeln zusammen mit den großen Flugzeugherstellern die Maschinen der nächsten Generation und bringen dabei Innovationen auf den Weg. Und heute schon müssen sich die Verantwortlichen Gedanken darüber machen, wie die Flugzeuge der nächsten Dekade aussehen sollen. Denn das ist etwa die Zeitspanne von der ersten Idee bis zum serienfertigen Verkehrsflugzeug. Für das Großraumflugzeug Airbus A380 beispielsweise lagen bereits Mitte der 90er Jahre bei Lufthansa die ersten Pläne vor. 2009 aber wird das Flugzeug erst bei Lufthansa in den Liniendienst gehen.

Die Abteilung Flottenstrategie und Flugzeugbewertung schaut deshalb immer weit in die Zukunft. Sie muss Kundenwünsche, Wirtschaftlichkeit und Umweltfaktoren im Voraus unter einen Hut bringen und diese Wünsche rechtzeitig bei den Flugzeugbauern anmelden. Zukunftorientiertes Denken – das ist hier gefragt. So dachte man bei Lufthansa schon Mitte der 90er Jahre über ein 3-Liter-Flugzeug nach, obwohl seinerzeit die Kerosinpreise bei einem Drittel unter denen von heute lagen.

Aber die Konstruktionswünsche müssen realistisch und marktgerecht sein. „Wir brauchten für unsere Flotte ein Flugzeug, das in die Lücke zwischen der Airbus A340-600 mit rund 310 Sitzplätzen, der Boeing 747-400 mit rund 360 Plätzen und der um rund 200 Sitzen größeren Airbus A380 passt“, erklärt Karl Echtermeyer. Ein solches Flugzeug war nicht auf dem Markt und eine komplette Neuentwicklung war auch nicht zu erwarten. Das war den Lufthansa-Ingenieuren klar. So entstand die Idee, die bewährte Boeing 747 weiter zu entwickeln. „Die einfachste Lösung wäre ein Streckung des Flugzeugrumpfes gewesen, dafür gab und gibt es genügend Beispiele“, sagt Echtermeyer. Doch die Lufthanseaten wollten mehr. Und so wurde der neue Jumbo nicht nur um 5,6 Meter verlängert, sondern er bekam auch völlig neue Flügel und Triebwerke der neuesten Technologie. Gerade auf dem Gebiet der Flugzeugmotoren kam es in den vergangenen Jahren zu erheblichen Verbesserungen. Dadurch wurde der Treibstoffverbrauch deutlich gesenkt, die Betriebskosten reduzieren sich um 30 Prozent und der CO2-Ausstoß wird um 16 Prozent gesenkt. Die Lärmemissionen sind sogar 30 Prozent geringer gegenüber der „klassischen“ 747. Etwa 420 Fluggäste werden auf Langstreckenflügen nach Asien oder Nordamerika an Bord der 747-8 Platz finden – und das bei verbesserter Wirtschaftlichkeit des Flugzeugs.

„Die 747-8 ist ein neues Flugzeug – und kein neues Flugzeug“, erklärt Nico Buchholz, der im Lufthansa-Konzern für das Flotten-Management verantwortlich zeichnet. Ab Ende des Jahres 2010 sollen die ersten „Strich Acht“ bei Lufthansa in Dienst gestellt werden.

Neben der Passagierversion wird es auch einen 747-8-Frachter geben. Das klassische Merkmal, die hochklappbare Bugklappe, wird auch der neue 747-8-Frachter behalten und damit die Beladung von sperrigen Gütern erleichtern. (Quelle: Pressetext der Lufthansa)

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