Lufthansa-Special: Eine Königin der Lüfte wird geboren

Während Dieter Grewe in Barcelona Musik macht, und danach irgendwo in Spanien Sonne und Ruhe genießt, flattert von der Lufthansa ein leckeres Paket von Texten und Bildern rund um die Boeing 747-8 in die Redaktion. Wie üblich fein geschliffene Pressetexte, aber lesenswert für alle, die beim Anblick eines Jumbos glänzende Augen kriegen. Wir übernehmen in den Blog eine Auswahl davon, und beginnen mit einem Beitrag zur Geschichte der 747 unter dem Titel „Eine Königin der Lüfte wird geboren“.
Lufthansa erste Boeing 747


Auch Luftfahrtpionier Charles Lindbergh war am Bau der Boeing 747 beteiligt. Zweimal traf er sich mit Joe Sutter, dem Vater des Jumbo-Jets, um sich über die Arbeiten an der 747 zu informieren. Das wiederum hatte seinen guten Grund, denn Ozeanüberflieger Lindberg hatte seinerzeit viel Einfluss in der amerikanischen Luftfahrtindustrie und war eng mit Juan Trippe, dem legendären Firmengründer der amerikanischen Fluggesellschaft Pan American World Airways (PanAm) befreundet. Der willensstarke Trippe wollte für seine Airline ein großes, „möglichst das größte“ Flugzeug der Welt haben, um der Konkurrenz den Rang ablaufen zu können. Das war Ende der 60er Jahre. Am 9. Februar 1969 hob das damals größte Düsenverkehrsflugzeug der Welt zum ersten Mal ab, und elf Monate später ging die erste Boeing 747 mit einem Flug von New York nach London in den Liniendienst. Das Flugzeug wurde sowohl für Hersteller Boeing als auch für die unzähligen Fluggesellschaften weltweit ein phantastischer Erfolg.

Rund vierzig Jahre später ist es wieder eine führende Fluggesellschaft, diesmal die Deutsche Lufthansa, die Boeing den Anstoß gibt, das erfolgreiche Großraumflugzeug in einer weiterentwickelten Version als Boeing 747 „Strich 8 International“ neu aufzulegen. Schon mehrfach war die ursprüngliche 747 durch Verbesserungen in immer neuen Varianten gebaut worden. Die „Königin der Lüfte“ – wie die Boeing 747 auch bewundernd genannt wurde – ging mit der Zeit und das bleibt offensichtlich auch bei der neuesten Generation so.

Dabei gab es viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis der erste Jumbo das Licht der Welt erblickte. Boeing-Ingenieur Sutter erinnert sich an die ersten Forderungen, die PanAm an den Flugzeughersteller in Seattle hatte: „Die Zahlen, die sie nannten, hörten sich gewaltig an.“ Tatsächlich wollten die Airline-Manager mehr als das Doppelte an Passagieren in einem Flugzeug befördern, als es mit einer Boeing 707, die damals auf den Langstreckenflügen eingesetzt wurde, möglich war. Das bedeutete einen gewaltigen Sprung nach vorn. Dagegen nimmt sich die Differenz zwischen einer Boeing 747-400 zum heute größten Verkehrsflugzeug der Welt, der Airbus A380, eher gering aus.

Doch wie sollte das gehen? Zwar war es durch die von General Electric und Pratt & Whitney neu entwickelten Triebwerke möglich, an übergroße Flugzeuge zu denken, aber das schlüssige Konzept lag noch nicht parat. Einfach zwei Rümpfe übereinander setzen, das war die naheliegendste Überlegung. Doch dagegen sprachen einige Erkenntnisse. So zum Beispiel die komplizierte Beladung des Oberdecks und vor allem die Evakuierung der Passagiere in einem Notfall.

So entschieden sich Joe Sutter und sein Team für die Ein-Deck-Variante, die bis in die Rumpfspitze nach vorn durchlief. Das Cockpit verlegten sie darüber nach oben in den Rumpf. Diese Anordnung hatte den großen Vorteil, dass bei der Frachtversion der 747 der Bug als Frachtklappe einfach nach oben geöffnet werden konnte. So entstand auch der Buckel, das markante Erkennungsmerkmal der ersten Jumbo-Jets.

Je nach Airline-Konfiguration gab es für 350 bis 500 Fluggäste Platz. Die Sitze waren in einer so genannten Drei-Vier-Drei-Anordnung mit zwei Gängen installiert. Das ist bis heute so.

Es folgte eine ganze Reihe von Boeing-747-Versionen. Schon zwanzig Monate nach dem Erstflug der 747-100 startete ein modifiziertes Modell, die erste 747-200. Sie verfügte über größere Treibstofftanks und ein höheres Startgewicht von 378 Tonnen. Basis-747-200B war für Passagiere, die 747-200F für Fracht ausgelegt.

Als erste europäische Fluglinie nahm Lufthansa am 26. April 1970 den Langstreckendienst mit dem neuen Jumbo auf. Damit stieß man nun in eine neue Dimension des Luftverkehrs vor. Voll getankt wog das riesige Flugzeug 322 Tonnen und bot 361 Passagieren Platz.

Bereits beim Betreten des Giganten gerate man „in Sektlaune“, schrieb damals ein Journalist in einer Hamburger Tageszeitung. Eines war besonders bemerkswert: der Service lief viel besser; zum Vorteil für die Passagiere, aber auch für die Kabinenbesatzungen. Zum ersten Mal gab es in einem Verkehrsflugzeug zwei Mittelgänge zwischen den Sitzreihen.

Auf dem Lufthansa-Erstflug LH 404 von Frankfurt nach New York kam es zu einer weiteren Weltpremiere: die erste Filmvorführung an Bord eines Jumbojet, die gleichzeitig die Welturaufführung des Films „Erinnerungen an die Zukunft“ nach dem Buch von Erich Däniken war. Auch Musikfreunden wurde einiges geboten: Aus sieben Audiokanälen konnten sie die Musik ihrer Wahl aussuchen.

Eine weitere, viel beachtete Besonderheit war die Wendeltreppe im vorderen Teil des Flugzeugs, über die man die Lounge der First Class erreichen konnte. Beim Erstflug von Frankfurt nach New York brachen die Fluggäste beim Startschub und Abheben der Maschine in spontanen Beifall aus.

Eine weitere Variante der Boeing 747 erschien im Jahr 1973. Der Riesenvogel sollte weiter fliegen können, das wünschten sich einige Fluggesellschaften. Jetzt wurde der Jumbo verkürzt und zwar um 14,35 Meter. Doch dadurch musste das gesamte Heck inklusive Leitwerk geändert werden, was letztendlich die etwas eigenartig aussehende Linienführung entstehen ließ. Es entstand die 747SP (Special Performance). Das Flugzeug konnte jetzt extrem lange Strecken zurücklegen. Mit einer Sitzkapazität von 271 Plätzen in der Standardversion startete der Prototyp am 4.Juli 1975 zu seinem Erstflug.

Im Laufe der 70er Jahre traten wirtschaftliche Gesichtspunkte bei Airlines immer mehr in den Vordergrund. Das hatte auch Auswirkungen auf die Anforderungen an die technische Ausstattung von Flugzeugen. War Lufthansa schon an der Planung der B 747-100 beteiligt, hatte sie als Erstbesteller nun maßgeblich an der Entwicklung der Boeing 747-400 mitgewirkt.

Großen Anteil dabei hatte der langjährige Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Jürgen Weber, damals bei der Lufthansa Technik in Hamburg verantwortlich für Flugzeugentwicklung. Er konnte zusammen mit anderen Fluggesellschaften Boeing von dem Konzept einer neuen Jumbo-Generation überzeugen.

Reinhard Abraham, ehemaliger Technikvorstand des Lufthansa-Konzerns, „trieb“ eine der bedeutendsten Veränderungen, die Einführung eines modernisierten Cockpits. Durch den Einbau digitaler Systeme entstand das erste Zwei-Mann-Cockpit für den Jumbo-Jet. Auf sechs großen Bildschirmen wurden alle wesentlichen Daten zur Flug- und Systemüberwachung dargestellt. Die Zahl der Anzeigen, Instrumente und Schalter im Cockpit konnte von 1000 auf weniger als 400 reduziert werden.

Der weiterentwickelte Super-Jumbo mit der Zusatzbezeichnung “Dash 400” rollte am 26. Januar 1988 aus der Montagehalle in Everett bei Seattle. Technisches Know-how und mehr als 20 000 Ingenieurstunden wurden zu dieser Weiterentwicklung beigesteuert.

Zu den wichtigsten Neuerungen neben dem Zwei-Mann-Cockpit gehörten: Ein verlängertes Oberdeck, was eine Ausweitung der Sitzplatzkapazität um 20 Plätze bedeutete, Verbesserung der Aerodynamik durch eine fünf Meter größere Spannweite mit 1,80 Meter hohen, nach oben stehenden Seitenflügeln an den Flügelspitzen, den so genannten Winglets. Dadurch wird der Kraftstoffverbrauch deutlich verringert. Außerdem gab es neue sparsamere Triebwerke mit mehr Schub. Das Leergewicht sank durch die Verwendung neuer Materialien um vier Tonnen.

Analog zum Vorgängermodell der B 707 benötigte Lufthansa Cargo eine Frachtmaschine, die den Anforderungen eines wachsenden Marktes gerecht wurde. 1972 war es dann soweit: Als erste Fluggesellschaft der Welt setzte Lufthansa – auch wieder als Launching-Customer – die Frachtversion der B 747 ein.

Die Boeing 747, der Jumbo-Jet, ist mit soviel Emotionen behaftet wie kaum ein anderes Flugzeug; sowohl bei den Piloten und Flugbegleitern als auch bei den Passagieren. Und das will etwas heißen. Immerhin sind inzwischen 3,6 Milliarden Menschen mit einer 747 geflogen, das entspricht mehr als der Hälfte der gesamten Weltbevölkerung. Rund 87,6 Millionen Flugstunden waren Jumbo-Jets in der Luft, wobei die durchschnittliche Flugzeit zwischen den einzelnen Flughäfen sechs Stunden betrug. Imposant nimmt sich mit 77,7 Milliarden Kilometern auch die Strecke aus, die insgesamt von Boeing-747-Flugzeugen zurückgelegt wurde. Das entspricht rund 1,9 Millionen Umrundungen der Erde. Weltweit sind 1 053 Boeing 747 im Dienst. Rund 75 000 Konstruktionszeichnungen wurden angefertigt, bis die erste Maschine aus rund sechs Millionen Einzelteilen vor knapp vierzig Jahren gebaut werden konnte. (Quelle: Pressetext der Lufthansa)

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