Nachts auf dem Atlantik

Wir müssen mal mit dem Vorurteil aufräumen „Die Piloten ham ja nix zu tun und sitzen nur ihre Zeit ab“!

Ok, so richtig sieht man das nicht, was wir machen (darf ja eh niemand mehr ins Cockpit) und sicher besteht die meiste Zeit aus aufmerksamem Beobachten des Flugverlaufs. Tatsächlich scannen wir ganz unmerklich ständig unser Cockpit mit all seinen wesentlichen Anzeigen, den Flugverlauf betreffend. Auch dem Luftraum wird viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Aber es gibt noch mehr zu tun: der Flugplan wird schriftlich kontrolliert und somit der Ablauf in Sachen Zeit und Kraftstoffverbrauch festgehalten.

Es wird immer wieder gefunkt, von Kontrollbezirk zu Kontrollbezirk wird man weitergereicht, Freigaben werden eingeholt.

Auch werden von allen möglichen Ausweichflughäfen unterwegs neueste Wetterdaten erfragt, dies geschieht über unser ACARS wie eine Telex-Abfrage.

Auf Atlantikflügen kommt nun noch hinzu, dass man ein besonderes Überflugverfahren einhalten und hierfür eine entsprechende CLEARANCE besorgen muss. Es ist dann absolut unabdingbar, sich genau an die vorgegebene Strecke zu halten, auch die genau freigegebene Geschwindigkeit wird eingehalten und an Pflichtmeldepunkten wird heutzutage über Telex der Fortschritt und die Einhaltung bestätigt. Dies nennt man CPDLC… irgendwann hatten wir es schonmal davon.

Um sich ganz über die jeweilige Position sicher zu sein, verfolgen wir den Flug auf speziellen Atlantikkarten und tragen Checkpositionen jeweils 10 Minuten nach den Pflichtmeldepunkten ein. Wir vertrauen zwar unseren Geräten, aber Kontrolle ist hier extrem wichtig, da selbst minimale Ablagen zu Fehlnavigation führen könnten.

Die Atlantikkarte wird auch für die Nachwelt zu möglichen Kontrollzwecken aufbewahrt.

Also Langeweile kommt nicht auf…

12 Gedanken zu „Nachts auf dem Atlantik

  1. Na eines Eurer Hauptthemen dürfte zur Zeit die miese und schreckliche Qualität der RFCs sein ;-)

  2. Wie sieht es bei einem solchen Flug mit der Aufgabenteilung aus? Wird da auch „gewechselt“, wenn ja nach welchem Kriterium?
    Wo werden denn diese Atlantikkarten aufbewahrt?
    Danke schon mal vorab!

    Gruß

    ME109

  3. Oh, das stimmt! DIESE KARTEN… mit Lupe und bei Extrembeleuchtung geht es… na ja, wie an alles, wird man sich auch daran gewöhnen. Bald werden ja die elektronischen Karten eingeführt!
    Zum Wechseln: Natürlich gibt es hier auch die Aufteilung nach Pilot Flying und Pilot Nonflying, der Fliegende fliegt (also Navigation und Karte), der Nichtfliegende kümmert sich um den Rest.
    Eingeteilt wird nach zuletzt geflogenem Leg, d.h. wer am längsten nicht gelandet hat, darf. Oder der Kapitän entscheidet.
    Wo die Karten aufbewahrt werden, weiß ich gar nicht… irgendwo auf der LH-Basis – frag ich mal nach.

  4. Na ja, so schlimm ist das auch nicht mit den Karten, immerhin fliegen andere Piloten damit seit Jahren ohne Probleme ;-) und kommen auch immer dahin wohin so sollen und wollen :-) und wenn die Lido Karten mit den Atlas Karten vergleiche, dann sind diese nicht minder unübersichtlich. Viele Infos stehen nun halt nicht mehr auf der karte sondern im Gen Part und den CRARs….

    Die Karten sowohl die Atlantik Karten als auch die anderen Karten werden in der FRA von einer Firma verwaltet, die alle Manauls für die Hansa verwaltet und auch aktualisiert.

  5. Bitte, gerne :-)

    Nimmt mich nur Wunder wieviel Leute dort arbeiten, denn wenn ich sehe wieviel da jede Woche an Papier hingeht und für wieviele verschiedene Manuals… Und dies nicht nur für die Passage, sondern auch für Cargo, City Line, Eurowings und Germanwings…. und dies alles muss ja immer in time passieren, denn eine Woche später sind die Karten veraltet und die nächste Revision da…. bei uns gehen die Karten immer Donnerstag an den Printshop und treffen dann Anfang der Woche bei den Kunden ein und müssen bis Donnerstag quasi 24h einsortiert sein…

  6. Da gibt es doch die Geschichte aus der Zukunft, wenn dann die Marsmenschen kommen und in Frankfurt eine längst verschüttete Firma finden – sie kommen zu dem Schluss: „Es muss eine sehr reiche Papierfabrik gewesen sein, die sich sogar eine eigene Airline leisten konnte…“

  7. Zitat:
    [und wenn die Lido Karten mit den Atlas Karten vergleiche, dann sind diese nicht minder unübersichtlich. Viele Infos stehen nun halt nicht mehr auf der karte sondern im Gen Part und den CRARs……]

    Aha!! Wieder was gelernt!;)

    Und was ist das auf Deutsch oder besser gesagt; Was heißt das für Leute, die nicht jeden Tag fliegen???:))))

  8. Lido (Lufthansa Systems) und Atlas sind Kartenprovider und Gen Part = General Part und CRAR = Country Rules und Regulations…..

  9. Liebes Hallo in die Runde,

    mag sein, ich hab‘ keine Ahnung. Mag sein, ich bin eine Sprachfetischistin. Aber trotzdem: Wenn jemand nachts „auf“ dem Atlantik ist, dann sitzt er für gewöhnlich in einem Boot. Oder aber: Der Vogel ist abgestürzt. Bisste Gottseidank nicht, lieber Dieter. Und deshalb gehe ich davon aus, dass Du über dem Ozean warst. :-) In diesem Sinne, halt‘ Dich weiterhin bestens über Wasser!

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