CRM

Crew Resource Management… ich hatte versprochen, dazu was zu schreiben.

Also: natürlich machen Menschen Fehler – eben auch Piloten. Und die Hauptursache für Ungereimtheiten in der Fliegerei sind nunmal auch die Fehler der Leute, die ihre Arbeit im Cockpit verrichten. Daher hat man vor langer Zeit beschlossen, in Form von Seminaren die Zusammenarbeit von Crews zu verbessern, indem Kommunikation, Zusammenarbeit, Erkennen von Fehlern und Entscheidungsfindung behandelt wurde.

Viele Jahre habe ich selbst solche Seminare moderiert und immer wieder festgestellt, dass auch ich als stark involvierter bei jedem Seminar etwas dazugelernt habe und dieser Prozeß nie endet.

Ein solches Seminar hier genau zu schildern, würde den Rahmen des Blogs sprengen… wie immer bin ich für Fragen offen.

Eines möchte ich aber gerne mal zeigen: FORDEC

Kennt das jemand? Sicher nicht sehr viele. FORDEC ist ein Schema, strukturiert Entscheidungen zu treffen. Im beruflichen, wie auch im privaten Sektor kann es leicht angewandt werden.

Wichtige Entscheidungen werden in der Fliegerei immer mit FORDEC gefällt, sei es bewußt, sei bereits unbewußt, da es uns in FLeisch und Blut über gegangen ist, sei es durch Procedures, bei denen an anderer Stelle bereits FORDEC gemacht wurde.

F – Facts – Sammeln aller Fakten, positiv wie negativ, alles was einem nur einfallen kann

O – Options – Suche nach möglichen Optionen, egal ob momentan sinnvoll oder nicht,                   einfach alle nur denkbaren Möglichkeiten suchen

R – Risks + Benefits – Was ist gut, was eher nicht? Die o.g. Optionen nun abwägen

D – Decision – Die ENTSCHEIDUNG! Jetzt klar eine gefundene Lösung benennen

E – Execusion – Ausführen, was man entschieden hat, die Entscheidung umsetzen

C – Check – Überprüfen anhand der Faktenlage, hat sich etwas verändert, ist die                         Entscheidung so richtig – falls ja: OK! – falls nein: wieder oben beginnen

Das klingt jetzt erstmal ziemlich kompliziert und ich kenne alle Argumente die kommen: Oh, wer hat denn so viel Zeit – och nee, das ist mir zu umständlich… und, und, und…

Trotzdem: ausprobieren – ein sicher und gute durchdachte Entscheidung, ist eher eine richtige, als ein Schnellschuß.

Viel Spaß mit FORDEC!

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Über Dieter

Willkommen an Bord. Als Pilot im Cockpit einer Boeing 747 bin ich viel unterwegs. Wer so wie ich auf den Wolken reitet, sieht und erlebt eine Menge. Ich plaudere hier sozusagen aus dem Koffer.

10 Gedanken zu „CRM

  1. Hallo Dieter,

    ich kann mir gut vorstellen, daß FORDEC, wenn es einmal einem in Fleisch und Blut übergegangen ist, auch im täglichen Leben weiterhelfen kann.
    Werde mal versuchen, mir die Definitionen einzuprägen und bei Bedarf entsprechend zu handeln.
    Sie müssten nun ja bald schon auf dem Weg nach Singapur sein, wünsche Ihnen einen guten Flug!

    Herzliche Grüße

    ME109

  2. Danke, z.Zt. noch in Sao Paulo… hab gestern den stärksten Regen meines Lebens erlebt. Wir dachten unser Auto schwimmt weg. Jetzt scheint wieder die Sonne!

  3. Ok, passt gar nicht zum thread, aber trotzdem:
    Bei der ganzen Umweltdebatte, die ja zur Zeit (zurecht) kursiert:
    Wie schneidet der Jumbo da eigentlich so ab? Was verbraucht die „Queen of the Skies“ eigentlich so? Wie viel wird beispielsweise für einen Flug nach GRU getankt?
    Ist z.B. der A340-600 nicht sparsamer?

  4. Hallo Dieter,
    FORDEC werde ich mir sowohl für den privaten, also auch für den beruflichen Bereich merken. Klingt sehr logisch mit den einzelnen Punkten.

    Außerdem werde ich das üben, wenn ich mit meinem „Stoppelhopser“..(sagt meine Frau zu der Cessna 172….FRECHHEIT!:) ) wieder die Platzrunde und den Luftraum Echo und eventuell Charlie unsicher mache. Wird mir die Abläufe schneller näher bringen und die Sicherheit im Handeln erhöhen, da ein klarer Ablauf im Kopf ist…..

    Danke für die Tipps und Gott sei Dank bist Du nicht weg geschwommen. Sonst wäre Singapur sicher ausgefallen….

  5. Pascal: Also wir haben jetzt auf dem Weg zurück 26 Tonnen getankt… bei vollem Flieger sind das dann so unterm Strich ca. 3 Liter pro Passagier auf 100 km – also deutlich günstiger als mit anderen Verkehrsmitteln, dafür auch schneller und von der Reichweite ganz zu schweigen. Der 340 mag günstiger sein, ist ja auch ne Ecke neuer, dafür viel langsamer und das macht manchen Vorteil wieder weg. Mal gespannt, wie die 747-800 dann abschneidet. Du weißt ja: Boeing-Fan bleibt Boeing-Fan!

  6. Hallo Dieter,
    Ich finde FORDEC als ein wundervolles Tool für allerlei
    Abläufe im täglichen Entscheidungsfinden. Hast du noch mehr solche Weisheiten?
    Interesieren würde mich wieviel Mitarbeiter umfasst eine 747 Crew und elhe Proffesion haben die?
    Danke Hannes.

  7. Na, da werd ich gelegentlich mal in den Unterlagen blättern – sicher gibt’s da noch mehr gute Tips.
    Im Jumbo arbeiten je nach Streckenlänge +/- 15 Flugbegleiter, einer ist der oder die P2, die/der Chefpurser/ette und als Stellvertreter eine/n P1. Im Cockpit sind wir auf den kürzeren Strecken 2 Piloten – ein Kapitän und ein 1. Offizier, auf den längeren Strecken kommt noch der Senior Firstofficer dazu, der in der Pause des Kapitäns diesen vertritt und dessen Sitz einnimmt. Also arbeiten an Bord immer so zwischen 16 und 20 Lufthanseaten.

  8. „Also wir haben jetzt auf dem Weg zurück 26 Tonnen getankt…“,

    …meinst du vielleicht 126 Tonnen? 26 Tonnen erscheinen mir sehr wenig. Dann würde die Queen ja nur 2t/Std verbrauchen… Ich habe mal in meinen Büchern nachgeschlagen und da bin ich auf einen Verbrauch von 15200 Liter/Stunde gestoßen. Die Angaben in solchen Büchern sind natürlich sehr ungenau und das kommt ja sicher auch auf die Triebwerksvariante an…wahrscheinlich nur ein Tippfehler, oder?

    Natürlich bleibt „Boeing-Fan“ Boeing Fan!! Und vor allem müssen die Controller aus dem Tower in FRA beim Start eines Jumbos keine Angst um ihre Befeuerungsmasten haben, wie das beim Start der Maschine mit 5 APU’s der Fall ist…:-)

    Gruß Pascal

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