Simulator-Check

Ich hab’s versprochen… heute erzähl ich mal, was im Simulator so abgeht. Also: zunächst füttert man den Computer an Bord, also im Cockpit genauso, wie im richtigen Flugzeug.

Erstaunlich, es ist wirklich identisch zum echten Flieger, auch der Blick nach draußen ist ziemlich wirklichkeitsnah!
So ein bisschen von Zeichentrick im Fernseher ist da schon, aber echt nicht schlecht.

Ja, los geht’s!

Wir fliegen normalerweise erstmal wie die Sportflieger eine Platzrunde, um uns wieder ans manuelle Fliegen, also von Hand, im Simulator zu gewöhnen. Etwas wackeliger als im richtigen Leben ist das schon, soll auch so sein, dann kann man es in echt erst recht.

Dann der erste Start mit Programm, der Captn fliegt selbst, die erste Überraschung, eine Windshear, d.h. ein plötzlicher Windunterschied, der das Flugzeug extrem langsam werden und somit erheblich durchsacken lässt. Sofortige Reaktion ist gefragt, Vollgas und Nase hoch – bis wir aus dem Windgebiet heraus sind. Der Pilot-Non-Flying oder CO ruft dabei Höhe und Steigen bzw. Sinken aus. Nach endlosen Sekunden kommt man aus dieser Situation heraus

Es geht weiter mit einem Bleed Duct Leak, eine undichte Stelle in einer der Klimaanlagen. Nach Checkliste und mir entsprechendem Handeln wird der Fehler behoben. Technisches Hintergrundwissen ist bei solchen Fehlern sehr wichtig, um Fehlschaltungen zu verhindern. Ein anspruchsvoller GPS-Anflug folgt – hierbei wird mit Hilfe eines programmierten Anflugschemas GPS-unterstützt ohne bodenseitige NAvigationshilfen geflogen. Dies bedarf entsprechender Vorberitung.

Das war die erste Runde… die zweite nennen wir die Königsrunde mit dem Ausfall eines Triebwerks, ganz rechts aussen…der Flieger schüttelt, mit dem Steuern ausgleichen, der Co stellt das Triebwerk ab, sog. Memory-Actions, Bedienung auswendig, kommt hier zum Einsatz, die Checkliste überprüft alles hinterher. Dieser Fehler ist natürlich der für uns Schlimmste, Ausfall eines Triebwerks und somit Verlust des Wichtigsten was wir haben, nämlich Schub, ist äußerst schwierig und das dazugehörige Training wird vom Luftfahrtbundesamts dringend gefordert. Damit fliegen wir natürlich nicht weiter – in München gestartet, dahin wieder zurück… ein ILS-Anflug, den der Gesetzgeber von Hand geflogen sehen möchte. Ein Go Around wird nun trainiert, sei es durch blockierte Bahn, schlechte Sicht oder Ähnliches, durchstarten… hierbei fällt der zweite Motor rechts aus… Das manuelle Handling des Flugzeugs wird nun noch anspruchsvoller, wir bringen unseren Jumbo heil auf den virtuellen Boden in München.

Jetzt der First Officer, so nennt man übrigens heute die Co-Plioten: Platzrunde und die Engine Failure Runde, wie beim Captn, wahrscheinlich gehen jetzt aber die linken Motoren kaputt.

Zwei Stunden vollste Konzentration sind vorüber.

PAUSE! KAFFEE!

Weiter geht’s mit Anflügen ohne Sicht… mit technischen Fehlern, Durchstart-Manöver, aber auch ohne und somit ein paar automatischen Landungen, hört sich einfach an – die Überwachung der vielen Anzeigen, das Erkennen von Fehlern erfordert jetzt volle Konzentration.

Was kommt noch: z.B. eine aufgeplatzte Frachttür, ein nicht komplett einfahrendes Fahrwerk, Ein Fehler im Hydrauliksystem, Ausfall einiger Flugüberwachungsinstrumente.

Incapacitation: Ausfall eines Crewmitglieds wird trainiert, der andere muss im Notfall auch alleine klarkommen.

Noch ein paar Anflüge, vier Stunden sind vorbei, die Lizenz wieder für ein halbes Jahr gesichert.

Dieses vierteljährliche Training, das in seinen Inhalten natürlich wechselt, hält uns in der Lage, unseren Düsenriesen jederzeit und unter allen Umständen sicher zu bedienen.

Ein Gedanke zu „Simulator-Check

  1. Wie wär´s mit einem Rätsel an den Leser zu Dieters Simulatorsitzung? Klarro, Dieter muss sich da raushalten.

    Die Situation: Die Piloten fliegen im Simulator geradeaus. Sie als Zuschauer stehen draußen in der Halle und sehen den sich bewegenden Simulator. Wie verändert er seine Lage, wenn die Piloten jetzt eine Rechtskurve fliegen?

    A Der Simulator neigt sich nach Rechts.
    B Der Simulator neigt sich nach Links
    C Der Simulator verändert nicht seine Lage.

    Damit die Lösung nicht sogleich ins Auge sticht, richtig ist der sechste Buchstabe: ACBABCACBC.

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