Meine Angst um die Lufthansa!

Schon lange hatte ich nichts mehr in diesem Blog gepostet, mein neues Leben in Spanien, meine Familie, unsere Tiere, unsere Farm, wie auch Facebook und Co haben mich irgendwie so beschäftigt, dass dieser blog etwas in Vergessenheit geriet. Die momentanen Entwicklungen bei Lufthansa haben mich nun aber doch dazu bewogen, etwas Gehirnschmalz zu investieren und einen sachlichen Artikel zum Thema des Arbeitskampfes, dessen Ausmaße nie gekannte Grenzen erreicht, zu erstellen. Viel Spaß bei der Lektüre! Vielleicht entwickelt sich ja wieder ein reges Interesse am Blog, dann werde ich auch sicher neue Beiträge bringen.
Ich habe Angst um die Zukunft „meiner“ Lufthansa!
Vor einer ganzen Weile habe ich bereits in Facebook über den Streik bei den Lufthansa-Piloten geschrieben, meine eigene Meinung Kund getan und alle Parteien aufgefordert mit Augenmaß den Betriebsfrieden wieder zu finden.
Inzwischen ist viel geschehen, einige Streiks gab es, viele Verhandlungen, einige gute Ergebnisse wurden wohl erzielt, Vieles war bereits unterschriftsreif.
Leider wurden immer kurz vor der Unterschrift die Verhandlungsführer vom Vorstand zurück gepfiffen und neue Forderungen seitens der Geschäftsleitung gestellt.
Die Vereinigung Cockpit forderte daraufhin Herrn Spohr und seine Leute auf, einer Gesamtschlichtung zuzustimmen, um nun endlich die Weichen für eine friedliche positive Zukunft zu stellen.
Dies lehnte die GL der Lufthansa ab! Man sieht hieran deutlich, dass es den Oberen der LH gar nicht an einer Lösung gelegen ist. Sie wollen mit Gewalt alle bestehenden Verträge und Vereinbarungen zerschlagen, zur Not, wie es scheint bis die stolze Marke Lufthansa an die Wand gefahren wird.
Im Januar beantwortete man den Schlichtungsversuch seitens der VC mit erneuten Forderungen an die Piloten: 40% soll jetzt das Volumen betragen, das die Piloten abgeben sollen! Für mich eine unglaubliche Frechheit. Alle Verträge, ob Boden, Kabine oder Cockpit sollen auf das Niveau europäischer Low-Cost-Carrier gesenkt werden. Gleichzeitig wird aber proklamiert, die Lufthansa wolle Qualitäts-Airline Nr. 1 bleiben, sogar noch besser werden und die erste 5 Sterne Airline Europas sein! Passt das zusammen?
Jetzt möchte ich hier einmal den Stand der Verhandlungen sachlich vorstellen:
1. Tarifvertrag Übergangsversorgung: die Übergangsversorgung wird an Flugzeugführer ausgezahlt, sobald er aus dem aktiven Dienst ausscheidet. Frühester Termin hierfür ist das 55. Lebensjahr. Immer schon gab es die Möglichkeit bis zum 60. Lebensjahr zu verlängern. Seit ein paar Jahren sogar bis zum 65. Lebensjahr. Hierfür werden Rücklagen gebildet, d.h. ein Teil des Gehalts wird für diese Versorgungsansprüche einbehalten. Ein kleiner Teil der LH-Piloten hat einen anderen Vertrag (so wie auch ich!), sie müssen ohnehin bis zum 60. Lebensjahr arbeiten und bekommen dann eine Lebensversicherung, deren Kosten sich der Arbeitnehmer und die Lufthansa teilen, ausgezahlt, die die Versorgungslücke bis zur Rente, also frühestens bis zum 63. Lebensjahr, ausgleichen soll. Ursprünglich sollte die Versicherungssumme ca. 120.000,– € betragen, durch die Zinsentwicklung ist diese Summe auf 60.000,– € geschrumpft. Ich werde also bis mindestens 63 weiter fliegen. Nun, mir macht mein Beruf wirklich Spaß, aber ich merke jetzt mit 54 wie mir manches deutlich schwerer fällt. Z. B. schlage ich mir acht Nächte im Monat im Cockpit um die Ohren, bin durchschnittlich 18 Tage im Monat nicht zuhause, erlebe mehrfach im Monat Klimaunterschiede, Zeitunterschiede. Ganz abgesehen davon, dass man viele Feiertage nicht bei seiner Familie sein kann. Manche mögen sagen, na und, ist doch toll… aber eben auch anstrengend und mit zunehmendem Alter schwerer zu ertragen. Passagiere wissen bei Langstrecken um das Jetlag und haben es nur einmal im Jahr, Langstreckenpiloten viermal im Monat. Die Lufthansa möchte nun diese Übergangsversorgungen mittelfristig ganz abschaffen. Bisher Erreichtes bleibt im Rahmen der Besitzstandswahrung erhalten.
Die VC bietet an, einen zeitgemäßen, einheitlichen Vertrag mit Anhebung des durchschnittlichen Ausscheidealters auszuhandeln, bestehende Ansprüche müssen bleiben. Übrigens ist zur Zeit das durchschnittliche Ausscheidealter der LH-Piloten bei 59 Jahren. Interessant ist sicher auch die Betrachtung, dass diese ÜV durch bestehende Rücklagen und durch nachwachsende Kapitäne mit geringerem Gehalt kostenneutral ist.
2. Vergütungstarifvertrag: ja, wir verdienen gut! Nicht so viel, wie in der Presse immer behauptet wird, denn nicht jeder Kollege von mir ist Kapitän mit 35 Dienstjahren, erst dann kommt man in die Endstufe der Gehaltstabellen. Ich bin übrigens SFO, Senior First Officer, das heißt ich bin der Stellvertreter des Kapitäns auf Langstreckenflügen. Wie gesagt, wir verdienen gut! Aber seit 4 Jahren keine Gehaltserhöhung ist auch für uns mit Verlusten zu tragen, auch für mich wird alles teuerer, angefangen von der Krankenversicherung bis hin zu den Fahrtkosten zum Dienst und den allgemeinen Lebenshaltungskosten! Ausbildung meiner Kinder und was sonst es sonst so im Leben gibt… ich denke, jeder weiß wovon ich rede! Wenn Lufthansa nun Gehaltskürzungen von 40 % fordert, ist das einfach lächerlich. Jeder hat seinen Lebensstandard und möchte diesen natürlich behalten.
Jetzt wieder zum Tarifvertrag: Lufthansa forderte bisher eine Tabellenerhöhung weit unter der Inflationsrate, die VC hat diesem zugestimmt und der Vertrag ist fertig, nur dürfen Spohrs Leute nicht unterschreiben, weil dieser Vertrag plötzlich an andere Bedingungen geknüpft wird.
3. Manteltarifvertrag: dieser Vertrag regelt unsere Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten. Die LH fordert eine deutliche Produktivitätssteigerung. VC ist dafür, im Rahmen europäischer Standards diesen Vertrag gründlich zu renovieren. Es gab hierzu nur ein Gespräch mit der GL ohne Ergebnis.
4. Wings: dies bedeutet, dass der LH-Vorstand eine neue Plattform einrichten will, unter deren Namen Lufthansa-Flugzeuge (ähnlich ehemals CONDOR) zu bestimmten, auch neuen Zielen fliegen sollen, jedoch mit Crews, die nicht von Lufthansa stammen und die auch nicht unsere Qualitätsansprüche erfüllen. Natürlich zu wesentlich schlechteren Bedingungen, finanziell und arbeitstechnisch. Witzigerweise sollen diese Piloten auf dem A340 von den Lufthansa-Ausbildern geschult werden, um dann später bei der LH-Passage unsere Arbeitsplätze wegzurationalisieren. Tolle Idee! Solche Vorgehensweise ist in unserer Firma bisher durch Verträge wie den KTV (Konzerntarifvertrag) untersagt. Diese Verträge hat Lufthansa gekündigt. Die VC versucht nun Schaden von unserer Berufsgruppe fernzuhalten, weiterhin unsere Standards und unsere Qualität zu sichern und damit unseren Gästen Sicherheit und Wohlbefinden zu bieten. Ernstzunehmend ist hier sicherlich die Bemerkung des Herrn Spohr auf einer Tagung, er sähe in der Lufthansa-Passage keine Zukunft. Konzerntochtergesellschaften mit niedrigeren Tarifverträgen sollen wohl schrittweise diese Dienste übernehmen.
Ziel des Vorstands ist es also, bestehende Verträge zu unterwandern, alte positive lange erarbeitete Rechte zu ignorieren. Herr Spohr droht mit Kündigungen, Herr Spohr führt unsere geliebte Lufthansa in einer Art Schreckensherrschaft unter Verbreitung von Angst, Unsicherheit und Unfrieden! Schade! Plan ist die Zerschlagung einer gesunden Firma zum Zwecke der kurzfristigen Bereicherung der Aktionäre… vielleicht auch um nach beendeter Zerstörung an anderer Stelle solches Tun weiter zu führen.
All dies ist zu verhindern. Ich bin ein großer Gegner der Streiks, damit treffen wir vor allem unschuldige Passagiere, zum Teil Leute, die lange auf ihre Reise gespart haben und nun mit streikbedingt unsicherem Flugbetrieb leben müssen.
Aber was soll man nur tun, um dieser traurigen Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Ich glaube nun auch, dass wir Piloten zusammen halten müssen, um unsere gute alte Lufthansa zu retten, ein gesundes Traditionsunternehmen, das 25000 Menschen bisher sichere Arbeitsplätze geboten hat, das auf sein Personal stolz sein sollte, weil dieses es durch alle Krisen mit Sachverstand, Sicherheit und Begeisterung geflogen hat und auch im vergangenen Jahr ca. 1 Milliarde € Gewinn erwirtschaftet hat.
Was noch zu erwähnen wäre, ich schreibe oben nur von Langstreckenpiloten…wie ist es auf der Kurzstrecke? Man hetzt 5 Tage seinem viel zu knappen Shedule hinterher mit Minimum-Ruhezeit in täglich anderen Hotels, bei denen auch immer mehr gespart wird, um dann sich 2 Tage Zuhause zu erholen und schon geht es wieder weiter! Was bei der Langstrecke die körperliche Anstrengung ist, ist auf der Kurzstrecke purer Nervenstress, auch das hält man nicht ohne Weiteres bis 65 durch! Wußtet Ihr übrigens, dass die Cockpit-Personalkosten insgesamt nur 5% aller Kosten ausmachen? Ich finde es einfach langweilig von den Managern immer hier am meisten sparen zu wollen! Kürzt man unser Gehalt um 20%, wäre dies eine Gesamtersparnis von 1%! Und das zu welchem Preis…. Es gäbe sicherlich sinnvollere Bereiche, die abzuspecken wären…

Strich Acht!

Nun bin ich endlich, sogar bereits mehrfach mit unserem neuen Jumbo geflogen.

Vieles ist besser, manches aber auch, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Wie immer bei neuen Flugzeugen funktioniert noch nicht alles, aber das ist in Arbeit.

Im Cockpit zieht es sehr stark und die Bedienung des Cabin-Interphone ist denkbar umständlich… aber wie gesagt, man gewöhnt sich schnell daran.

Hervorragend ist die Qualität der Bildschirme, genial die Bedienung der elektronischen Checklisten, umwerfend der Sound der Engines, damit verbunden die Leistung und Wirtschaftlichkeit.

Angenehm empfinde ich das neue Crew-Rest mit mehr Raumgefühl.

Die Kabine ist sehr schön und von außen gibt es sowieso kein schöneres Flugzeug.

Alles in allem ein toller Wurf!

Boeing 747-8i Engines

 

 

Boeing747-8, genannt Strich Acht!

Endlich ist es so weit! Ich hatte bereits die Theorie-Schulung und das sog. IPT-Training.

Also der Reihe nach: drei Tage Selbststudium standen uns zur Verfügung, in denen wir uns zuhause mit unserem Dienst-PC im CBT (Computer Based Training) mit den Unterschieden dieses Flugzeugs vertraut machen sollten. Ich bin ganz ehrlich, es war recht viel und die drei Tage haben mir persönlich nicht genügt. Ich habe alles in ein Notizbuch geschrieben, um immer wieder einmal schnell nachlesen zu können. Ausserdem bin ich ein „Schreib-Lerner“…

Das Ganze geht ohne Test – schade eigentlich, ich war doch so gut vorbereitet! Aber es gibt eben kein neues Type-Rating für die -8, nur eine Einweisung.

Es folgten zwei Tage in Frankfurt, mit dem IPT – Intrument Procedure Trainer! 2 x 4 Stunden plus Vorbereitung und Debriefing wurden alle Unterschiede in der Praxis geübt. Der IPT ist kein richtiger Simulator, nur einige Touch-Screens sind in Form des Cockpits aufgebaut und lassen in Echtzeit einen Flug durchführen.

Hierzu stelle ich im Anschluss einige Fotos ein.

Das Beste am neuen Jumbo sind wohl die elektronischen Checklisten, die sich intuitiv bedienen lassen und eine wirkliche Arbeitserleichterung sind.

Sehr interessant ist auch das VSD – Vertical Situation Display: das Flug-Profil inkl. eingeblendetem Gelände wird hier wieder gegeben.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die unglaubliche Fülle der Informationen, die einem nun auf einem Display angeboten werden.

Ganz toll wird wohl dann im Flugzeug auch der neue FMC (Flight Management Computer) sein, wesentlich mehr Daten werden wesentlich schneller bearbeitet.

Wirklich toll sind auch die Airport-Layouts im Display zur Unterstützung beim Rollen.

Insgesamt viele gute Neuerungen, viele Vereinfachungen, wie z.B. den vollautomatischen Engine-Start bietet die 747-8, jetzt freue ich mich auf den ersten Flug nach Bangalore…. ich werde berichten.